Hintergrund Iran

Der Iran hat Anfang 2016 mit der Verabschiedung des Atomabkommens eine Aufhebung der seit 10 Jahren andauernden Sanktionen bewirkt. Dies eröffnet dem Land selbst, und der internationalen Gemeinschaft, enorme Chancen, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes voranzutreiben.

Aktuell fehlt es auf Grund der Abschottung des Landes im vergangenen Jahrzehnt in allen Bereichen der Wirtschaft an Technologie. Die Abfallsituation im Iran stellt sich derzeit wie folgt dar: In den urbanen Gebieten Irans fallen jährlich 10,4 Mio. Tonnen Siedlungsabfälle an. Das Pro-Kopf-Abfallaufkommen beträgt durchschnittlich 0,64 kg pro Tag. Für die Hauptstadt Teheran wird von einem jährlichen Siedlungsabfallaufkommen von 0,234  Tonnen pro Kopf bzw. mindestens 2,5 Mio Tonnen insgesamt ausgegangen. Das heutige Abfallaufkommen in Teheran dürfte deutlich über den Zahlen von 2008 liegen. Der größte Anteil der iranischen Siedlungsabfälle stammt aus Wohnhäusern, ist also Hausmüll.

Die im Iran anfallenden Abfälle werden nur unzureichend verwertet. Nur einzelne Städte verfügen über komplexere Abfallwirtschaftssysteme. Insgesamt werden nur knapp 6% der anfallenden Siedlungsabfälle recycelt, ca. 10% werden kompostiert und über 80% der anfallenden Siedlungsabfälle werden auf Ablagerungsplätzen entsorgt. Die Ablagerung erfolgt in der Regel auf ungeordneten Kippen, so dass offene Abfallverbrennung und Umweltverschmutzung im Umfeld der Abfallkippen häufige Probleme sind.

Die Hauptursachen für die unzureichende Abfallverwertung im Iran sind in einem Mangel an Kapazitäten und Technologien begründet.

Von diesem Mangel an Kapazitäten und Technologie ist der gesamte Abfallsektor betroffen. Zum einen mangelt es an Technologien, um die Abfallsammlung und –behandlung bei den gegenwärtigen Mengen des anfallenden Abfalls effektiv und effizient umzusetzen. Mit der Öffnung der Wirtschaft und eines erwarteten Wirtschaftsaufschwungs sowie sich verändernden Konsummustern ist zu erwarten, dass sich die Probleme hier in Zukunft potenzieren dürften, sollte es der iranischen Abfallwirtschaft nicht gelingen, eine adäquate Infrastruktur zu schaffen.

Der Iran wird auch von Akteuren der deutschen Wirtschaft, insbesondere der Exportinitiative der Abfallwirtschaft RETech, als potentieller Absatzmarkt für deutsche KMUs im Abfallsektor gesehen. Deutsche Unternehmen zeigen aktuell großes Interesse an der Teilnahme einer gemischten Wirtschaftskommission mit Iran. Außerdem erwartet das BMUB „großen Investitionsbereich zur Verbesserung der (städtischen) Infrastruktur“ – und insbesondere hohe Investitionen im Abfallbereich.

 

Länderstudie

Im Rahmen des Projekts wird eine detaillierte Analyse der Abfallwirtschaft vom Iran durchgeführt. Die Studie gibt einen Überblick über die aktuelle Situation der Abfallwirtschaft, zeigt Entwicklungspotenziale auf und präsentiert Vorschläge für die weitere Entwicklung des Sektors. Die Länderstudie hat folgende Struktur und enthält Informationen für die folgenden Bereiche:

  • Länderhintergrundinformationen
  • Umweltrecht und –politik
  • Abfallerzeugung und –behandlung
  • Finanzierung der Abfallwirtschaft
  • Die Rolle des Privatsektors in der Abfallwirtschaft
  • Know-how und Technologietransfer

Die Länderstudie kann hier abgerufen werden.

Eine Kurzversion der Länderstudie ist sowohl auf Deutsch, als auch auf Farsi verfügbar.

 

Länderworkshop

Am 25. Februar 2017 fand ein Länderworkshop in Teheran/ Iran statt. Ziel des Workshops war es die Information aus der zuvor veröffentlichten Länderstudie zu validieren und mögliche Maßnahmen zur Weiterentwicklung der iranischen Abfallwirtschaft zu diskutieren. Außerdem sollten Vertreter der iranischen und der deutschen Abfallwirtschaft zusammengebracht werden, um Kooperationspotenziale für zukünftige Abfallwirtschaftsvorhaben im Iran auszuloten.

iran2Der Workshop war eingebettet in eine Konferenz der eigens von den iranischen Partnern gegründeten „Iran-Germany Waste Management Initiative“. Der Teilnehmerkreis von mehr als 200 Personen umfasste daher neben Vertretern der iranischen und der deutschen Abfallwirtschaft auch hochrangige Politiker beider Seiten.

Die Veranstaltung wurde von Dr. Masoumeh Ebtekar, Vizepräsidentin des Iran und Leiterin der iranischen Umweltbehörde, sowie Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, eröffnet. Im Anschluss an die Eröffnung folgte eine Projektpräsentation, die die vorläufigen Projektergebnisse sowie die zentralen Punkte der Länderstudie vorstellte. Dadurch wurde der große Teilnehmerkreis mit dem Ansatz und den Ergebnissen des Projekts vertraut gemacht. Den weiteren Kontext deutscher und europäischer Abfallwirtschaftskonzepte erläuterte daraufhin ein Vertreter des Umweltbundesamtes in einer Präsentation.

Es folgten Vorträge der German RETech Partnership und der Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland e.V. (ITAD e.V.). Von iranischer Seite traten Referenten folgender Institutionen auf:

  • Innenministerium
  • Wirtschaftsministerium
  • Iran National Environment Fund
  • Municipal Investment Fund
  • National Petrochemical Company (NPC)
  • MA Insurance

Am Nachmittag hatten Unternehmensvertreter der deutschen Abfallwirtschaft die Gelegenheit ihre Produkte und Dienstleistungen zu präsentieren. Den Abschluss der Veranstaltung bildeten ein Vortrag der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer, eine Präsentation der University of Tehran sowie ein Grußwort des Umweltbundesamtes.

Der Austausch zwischen iranischen und deutschen Unternehmen wurde im Nachgang der Konferenz in Form von B2B-Meetings intensiviert. In diesem Rahmen fanden konkrete Gespräche zu möglichen zukünftigen Kooperationen der Privatwirtschaft statt.

Parallel zu den Gesprächen hatten die iranischen Teilnehmer die Gelegenheit, ihre Einschätzung zu den Entwicklungspotenzialen der iranischen Abfallwirtschaft über einen Fragebogen mitzuteilen. Die Auswertung der Fragebögen wird Eingang finden in die Ausarbeitung von Handlungsempfehlungen für die iranischen Abfallwirtschaft, die nach Fertigstellung auf dieser Webseite verfügbar sein werden.

Unter nachfolgenden Links sind die Präsentationen der Veranstaltung abrufbar:

    
Fotos der Veranstaltung sind auf der Webseite der iranischen Umweltbehörde einsehbar.

Das Veranstaltungsprogramm steht hier zum Download zur Verfügung.

 

Ergebnispublikation

Die Länderstudie wurde auf dem Workshop mit Vertretern des iranischen Abfallsektors diskutiert. Die Ergebnisse dieser Diskussionen haben die Projektpartner nun in eine Ergebnispublikation überführt, welche die wichtigsten Erkenntnisse der Studie sowie Handlungsempfehlungen für die Fortentwicklung des iranischen Abfallsektors herausstellt. Darüber hinaus weist die Publikation nochmal auf Kooperationspotenziale zwischen Deutschland und Iran hin und listet Anlaufstellen für Akteure, die solch eine Kooperation anstreben.

Die Ergebnispublikation kann hier heruntergeladen werden: Deutsch / Englisch / Farsi

 

News & Events

Hier finden Sie Informationen über anstehende Veranstaltungen zum Thema Abfallmanagement im Iran sowie generelle Neuigkeiten zu dem Thema, etwa Publikationen oder neue Projekte. Die News & Events Seite wird regelmäßig aktualisiert. Wenn Sie eine Veranstaltung ankündigen oder eine News einstellen möchten, kontaktieren Sie uns unter folgender Email-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!