Hintergrund Bulgarien

Bulgariens Abfallwirtschaft hat sich seit dem EU-Beitritt des Landes im Jahre 2007 ein gutes Stück vorwärts entwickelt. Dennoch steht sie noch immer regelmäßig in der Kritik und auch weiterhin vor großen Herausforderungen in Bezug auf die Umsetzung moderner Standards und gemeinschaftlich vereinbarte Kreislaufwirtschaftsziele. Beachtliche nationale Anstrengungen sind erkennbar, kamen allerdings über viele Jahre vorrangig in programmatischer Arbeit und der Schaffung erforderlicher Gesetzesgrundlagen und nicht durch tatsächliche regionale Umsetzungserfolge zum Ausdruck. Allein die Schaffung einer befriedigenden Entsorgungslösung für die Hauptstadt Sofia nahm lange Zeit in Anspruch und sorgte dabei mehrfach für Schlagzeilen. Der Durchbruch zu effektiven Investitionen an dieser und anderen Stellen ist erst sehr jungen Datums. Herangezogen als Indikator für den unbefriedigenden Zustand der Abfallwirtschaft des Landes wird aber vor allem der nach wie vor außerordentlich hohe Anteil der Deponierung an der Abfallentsorgung. Weitergehende Analysen zeigen jedoch ein weitaus breiteres Spektrum an Defiziten und Problemlagen auf, die nicht zuletzt auch in der im europäischen Vergleich niedrigen Wirtschaftskraft des Landes und den in vielen Bereichen fehlenden Kapazitäten gründen.

Dies führt dazu, dass Bulgarien an vielen Stellen Verpflichtungen und selbst gesteckten Zielen für die Abfallwirtschaft bisher nicht oder nur mit starker Verzögerung nachgekommen ist, vergleichsweise schlechte Ergebnisse und Informationen für den Sektor liefert und somit oft an den Pranger für unzureichendes abfallwirtschaftliches Handeln gelangt. Tatsache ist, dass bspw. eine erst unlängst abgeschlossene EU-weite Bewertung zum Abfallmanagement der Mitgliedsstaaten  das Land auf einem der letzten Plätze sieht. Nur bei Griechenland wird die Situation gemessen an den hierzu angelegten 18 Bewertungskriterien noch schlechter eingestuft. Ferner besteht der Umstand, dass bei den meisten Indikatoren und Vergleichen die am Umsetzungsstand der Abfallhierarchie und anderer moderner abfallwirtschaftlicher Prinzipien ansetzen, Bulgarien wie auch ausgewählte Städte des Landes oft am unteren Ende rangieren oder wegen mangelhafter Datenlage sogar besonders herausstechen.

 

Länderstudie

Im Rahmen des Projekts wird eine detaillierte Analyse der Abfallwirtschaft von Bulgarien durchgeführt. Die Studie gibt einen Überblick über die aktuelle Situation der Abfallwirtschaft, zeigt Entwicklungspotenziale auf und präsentiert Vorschläge für die weitere Entwicklung des Sektors. Die Länderstudie hat folgende Struktur und enthält Informationen für die folgenden Bereiche:

  • Länderhintergrundinformationen
  • Umweltrecht und –politik
  • Abfallerzeugung und –behandlung
  • Finanzierung der Abfallwirtschaft
  • Die Rolle des Privatsektors in der Abfallwirtschaft
  • Know-how und Technologietransfer

Die Länderstudie kann hier abgerufen werden.

Die Ergebnisse der Studie werden auch in einem kurzen Überblicksdokument zusammengefasst, das im Länderworkshop diskutiert werden soll.

Das Überblicksdokument ist sowohl auf Deutsch, als auch auf Bulgarisch erhältlich.

 

Länderworkshop

Unter dem Titel ‘German-Bulgarian Workshop and Presentations on Waste Management Concepts & Technologies‘ fand am 7. März 2017 im Inter Expo Center der bulgarischen Hauptstadt ein Länderworkshop statt. Die Veranstaltung förderte das Kennenlernen und den Austausch der bulgarischen und deutschen Teilnehmer zu Entwicklungsmöglichkeiten der bulgarischen Abfallwirtschaft.
Der Workshop wurde als Parallelevent zur jährlich in Sofia stattfindenden Umwelttechnikausstellung und –konferenz “Save The Planet“ durchgeführt und bot den Teilnehmern dadurch die Chance gleichzeitig eine entsprechende Themenmesse im Zielland zu besuchen.
Der bulgarische Teilnehmerkreis umfasste Abfallwirtschaftsakteure der nationalen und lokalen Ebene, einschließlich eines Vertreters des Umweltministeriums und einer Repräsentantin einer NGO-geführten Kompostierungsinitiative. Von deutscher Seite beteiligten sich u.a. das Umweltbundesamt, Verbandsvertreter und namhafte Firmen und Dienstleistungsanbieter an dem bilateralen Austausch. Insgesamt belief sich die Teilnehmerzahl über den Tag auf knapp 60 Personen.

bulgarienDas Programm des Workshops war so ausgerichtet, dass im Vormittagsteil Vertreter des behördlichen, kommunalen und privaten Sektors einen allgemeinen Überblick zu Politik und Errungenschaften der bulgarischen Abfallwirtschaft gaben. Zudem stellte das Projektteam die Anliegen und vorläufigen Ergebnisse des UFOPLAN-Projektes sowie die wesentlichen Eckpunkte der aktuellen Abfallwirtschaft in Deutschland vor.

Den Nachmittagsteil bildeten zwei Vortragsblöcke, die jeweils von deutschen und bulgarischen Abfallwirtschaftsvertreten bestritten wurden. Hier kamen abfallwirtschaftliche Handlungsansätze bspw. im Bereich der kommunalen Entsorgung und der thermischen Abfallverwertung zur Vorstellung. Außerdem wurden spezielle Technologien und Dienstleistungsangebote präsentiert sowie verschiedene Projektinitiativen erläutert und diskutiert. Auf diese Weise konnte der Workshop einem seiner Hauptziele gerecht werden: einen breiten Einblick in aktuelle abfallwirtschaftliche Aktivitäten und Problemlagen zu gewähren und dabei Informationen aus der zuvor von INTECUS erarbeiteten Länderstudie und darin angesprochene Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung der bulgarischen Abfallwirtschaft zu validieren.

Ergänzung fand dieses Konzept durch die Übergabe einer vorher ins Bulgarische übersetzten Kurzversion der Länderstudie sowie die Verteilung eines Befragungsbogens an die Workshopteilnehmer. Ein knappes Drittel der Befragten übergab den Organisatoren zum Ende der Veranstaltung einen ausgefüllten Fragebogen; dies ergänzte die durch die Vorträge und Diskussionen gewonnenen Eindrücke und Aussagen.
Demnach besteht seitens der unterschiedlichen bulgarischen Akteure in vielen Themenfeldern ein aufrichtiges Interesse an der Fortführung des Austausches und der Zusammenarbeit mit Deutschland, um die abfallwirtschaftliche Handlungsfähigkeit und Effizienz in Bulgarien zu verbessern. Unterstrichen wurde auch die im Rahmen der Länderstudie bereits thematisierte Notwendigkeit, dass bulgarische Akteure ihre Kommunikation und Vernetzung zu abfallwirtschaftlichen Fragen untereinander verbessern, eine transparentere und nachvollziehbare Datenlage herbeiführen und mit Nachdruck die Schaffung durchgehender Entsorgungsketten und den Ausbau sinnvoller Getrennterfassungs- und Verwertungsangebote in der Fläche verfolgen müssen. Von politischer Seite sind zudem grundsätzlich ein höheres Maß an Stabilität und Kontinuität sowie eine nachhaltige Verbesserung der Investitionsbedingungen wünschenswert.

Die Anregungen und Ergebnisse des Workshops werden in die weitere Arbeit des Projektteams, speziell in die Ausarbeitung von Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung der bulgarischen Abfallwirtschaft und die weitere Zusammenarbeit mit Deutschland, einfließen.

Vonseiten der Organisatoren geht ein nochmaliger Dank an alle Teilnehmer und Vortragenden für Ihre Beteiligung, wobei die Unterstützung des bulgarischen Umweltministeriums und insbesondere die Mithilfe des bulgarischen Verbandes der kommunalen Umweltexperten (BAMEE) bei der Gewinnung von Referenten und der Bekanntmachung des Workshops ganz besondere Hervorhebung verdient.

Unter nachfolgenden Links sind die auf der Veranstaltung gehaltenen Präsentationen abrufbar:

 Das Veranstaltungsprogramm steht hier zum Download zur Verfügung.

Die Teilnehmerliste kann hier eingesehen werden.

 

News & Events

Hier finden Sie Informationen über anstehende Veranstaltungen zum Thema Abfallmanagement in Bulgarien sowie generelle Neuigkeiten zu dem Thema, etwa Publikationen oder neue Projekte. Die News & Events Seite wird regelmäßig aktualisiert. Wenn Sie eine Veranstaltung ankündigen oder eine News einstellen möchten, kontaktieren Sie uns unter folgender Email-Adresse: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

März 2018: „Save The Planet“ Umwelttechnologieausstellung und –konferenz in Sofia, Bulgarien

Die Ausstellung Save The Planet präsentiert lokale und ausländische Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen zur Abfallsammlung, -behandlung und –verwertung anbieten. Parallel zu der Ausstellung findet eine Konferenz zu diesen Themen statt. Die Veranstaltung richtet sich an Vertreter von Gemeinden und Regierungsmitglieder, Ökologen, Investoren, Unternehmensmanager aus dem Bereich Recycling, Abfallwirtschaft, Landwirtschaft, Nahrung und Verpackung, uvm.
Mehr Informationen finden sie hier.

Oktober 2017: Konferenz „Abfallwirtschaft in Bulgarien“ in Bayern, Deutschland

Der genaue Veranstaltungszeitraum steht noch nicht fest. Bei Interesse kontaktieren Sie bitte direkt den Veranstaltet Bayern International über folgende Webseite.

März 2017: Veröffentlichung der Länderstudie Bulgarien & Durchführung des Workshops in Sofia

Im Rahmen des Projekts wird eine detaillierte Analyse der Abfallwirtschaft von Bulgarien durchgeführt. Die Studie gibt einen Überblick über die aktuelle Situation der Abfallwirtschaft, zeigt Entwicklungspotenziale auf und präsentiert Vorschläge für die weitere Entwicklung des Sektors. Die Länderstudie hat folgende Struktur und enthält Informationen für die folgenden Bereiche:

  • Länderhintergrundinformationen
  • Umweltrecht und –politik
  • Abfallerzeugung und –behandlung
  • Finanzierung der Abfallwirtschaft
  • Die Rolle des Privatsektors in der Abfallwirtschaft
  • Know-how und Technologietransfer

Die Länderstudie kann hier abgerufen werden.

Der Workshop wurde nach Veröffentlichung der Länderstudie am 7. März 2017 als Parallelevent zur jährlich stattfindenden Umwelttechnikausstellung und –konferenz „Save The Planet“ durchgeführt und versammelte knapp 60 Teilnehmer aus der nationalen und lokalen Abfallwirtschaft und Politik gemeinsam mit deutschen Vertretern von namhaften Unternehmen, Verbänden und vom Umweltministerium.
Weitere Informationen zu den Ergebnissen des Workshops sowie die Präsentationen finden Sie auf dieser Seite weiter oben.

Oktober 2016: Mobiles Labor zur Behandlung gefährlicher Abfälle in Bulgarien

Das bulgarische Unternehmen BalBok Engineering nutzt ein mobiles Labor, um landesweit gefährliche Abfälle zu untersuchen und deren Behandlung bzw. Entsorgung vorzubereiten. In den 1990er Jahren haben viele bulgarische Betriebe ihre Abfälle nicht ordnungsgemäß entsorgt. Dies führt zu erheblichen Umweltbelastungen durch unbekannte und oft gefährliche Chemikalien. Mithilfe des mobilen Labors können der Ursprung und die Zusammensetzung dieser Chemikalien identifiziert werden, um auf dieser Grundlage eine geeignete Behandlungs- und Entsorgungsstrategie zu entwickeln.
Das Vorhaben wird von dem bulgarischen Beratungsunternehmen ARC Consulting und dem Enterprise-Europe-Netzwerk der Europäischen Kommission unterstützt.
Weitere Informationen finden Sie hier.

Internationale Messe "AQUATECH BULGARIEN", 26. September - 1. Oktober 2016 in Plovdiv

Die „Aquatech Bulgarien“ ist eine internationale Messe für Wasserwirtschaft und -technologien, die seit 2005 jährlich stattfindet. Die Veranstaltung ist sowohl für Fachbesucher als auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Rahmen der „Aquatech Bulgarien“ werden neue Technologien und Anlagen zur Wasseraufbereitung präsentiert, wie z.B. Abwasseraufbereitungsanlagen sowie Labor- und Analysegeräte.
Weitere Informationen finden Sie hier.

Juli 2016: Bulgarien finalisiert ein regionales Abfallprojekt im Wert von € 26 Millionen

Im Juli kündigte das bulgarische Umweltministerium den Abschluss eines regionalen Abfallprojekts im Wert von € 26 Millionen in der Stadt Stara Zagora an. Das Vorhaben umfasste den Bau einer Abfalldeponie mit einer Kapazität von 130.000 Tonnen sowie die Installation einer Abfalltrennungsanlage und einer Kompostierungsanlage mit einer Jahreskapazität von jeweils 30.000 Tonnen.
Weitere Informationen finden Sie hier

Juni 2016: Bulgarien ist Gastgeber der Generalversammlung von “Zero Waste Europe”

Am 5.-7. Juni fand in Sofia die Generalversammlung von „Zero Waste Europe“ statt. Zero Waste ist ein Netzwerk europäischer Organisationen und Kommunen, das sich für die Rückgewinnung und Wiederverwertung aller im Umlauf befindlichen Ressourcen einsetzt. Die diesjährige Versammlung wurde von der bulgarischen Mitgliedsorganisation "Za Zemiata" veranstaltet. Die Teilnehmer diskutierten ein breites Spektrum an Themen und Initiativen, wie zum Beispiel die Einführung von Pfandsystemen als finanzieller Anreiz für die Rückgewinnung von Einwegverpackungen oder Systeme zur gemeinschaftlichen Kompostierung.
Weitere Informationen finden Sie hier.